Buchenwaldfahrt 2026
Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald (Schuljahr 25/26)
Vom 23.02. bis zum 27.02.2026 unternahm unser Projektkurs Buchenwald der Klasse 10. eine Kursfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Am Montag, den 23.02 fuhren wir zunächst nach Weimar. Anschließend fuhren wir von dort mit einem Bus hoch zur Gedenkstätte Buchenwald. Schon auf der Busfahrt durch den Wald merkten wir, dass sich alles anders anfühlte; die Stimmung war bedrückend und angespannt. Als wir ankamen, wurde uns mehr über den Plan der Woche erklärt, und abends, als wir nach dem Abendessen noch einmal genauer in einem Sitzkreis über das Gelände informiert wurden, wurde uns erzählt, dass wir in dem Haus schliefen, in dem früher die SS-Aufseher untergebracht waren. Dort bekamen wir einen ersten Eindruck über die grausamen Verbrechen, die hier geschehen sind.
Am nächsten Tag, den 24.02, trafen wir uns nach dem Frühstück morgens vor unserem Haus. Von dort aus liefen wir zu dem Bahnhof, zu dem ab 1944 die Häftlinge für das Kz-Buchenwald transportiert wurden. Wir bekamen erklärt, dass es diesen Bahnhof 1937, als das Kz errichtet wurde, allerdings noch nicht gab, sondern dass die Häftlinge den Weg, den wir mit dem Bus gefahren waren, anfangs zu Fuß laufen mussten. Anschließend liefen wir weiter über den sogenannten „Caracho-Weg“ zum Kz. Dieser „Caracho-Weg“ wurde dafür benutzt, die erschöpften Häftlinge brutal zum Kz zu scheuchen und auf dem Weg auf sie zu schießen und sie mit Steinen zu bewerfen. Nachdem wir uns mit dem SS-Zoo, der direkt vor dem Konzentrationslager im Jahr 1937 zur Unterhaltung der SS-Männer und ihrer Familien erbaut worden war, beschäftigt hatten, gingen wir in die Arrest-Zellen des Kz‘s. Wir durften einen Blick in die engen Zellen werfen, in denen Menschen für kleinste „Vergehen“, wie z.B. verlangsamtes Arbeiten, oder religiöse Handlungen, wie das Taufen anderer Häftlinge, eingesperrt, gefoltert und ermordet wurden. Als wir danach auf den Apellplatz gingen, auf dem Häftlinge stundenlang mit leichter Bekleidung in der Kälte stehen mussten, löste das bei uns eine Mischung aus Angst und Trauer aus. Auf dem Apellplatz findet sich heute eine Gedenkplatte, die mit den verschiedenen Menschengruppen, die Opfer der Verbrechen in Buchenwald wurden, beschriftet ist. Das besondere an der Platte ist, dass sie immer 37 Grad warm ist – wie die menschliche Körpertemperatur - und somit zeigen soll, dass wir alle gleich sind und dass keiner höher oder niedriger steht. Im Anschluss betraten wir die Krematorien und den anliegenden Sezierraum. Es hatte eine Wirkung, die man nicht beschreiben kann: Zu wissen, dass hier Leichen der Häftlinge seziert und verbrannt wurden, war unmenschlich und erschütternd.
Wir beschäftigten uns auch mit der Täterperspektive und liefen später an den ehemaligen Villen der SS-Offiziere vorbei. Die Tatsache, dass hier SS-Männer in luxuriösen Villen ein normales Leben lebten und Freizeitvergnügen, wie den SS-Zoo keine 10 Meter entfernt von dem Stacheldrahtzaun, hinter dem hungernden Häftlinge standen, nutzten, zeigte uns, wie sehr die Ermordung dieser Menschen „normalisiert“ wurde und wie „minderwertig“ sie behandelt wurden. Am Abend bekamen wir viel Zeit, die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.
Am Mittwoch, den 25.02, gingen wir morgens zu dem Steinbruch, in dem die unterernährten Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten. Viele brachen aufgrund der schweren Arbeit zusammen und starben. Außerdem besichtigten wir vor dem Mittagessen eine Ausstellung in einem Gebäude auf dem Konzentrationslager, in dem früher die geraubten Wertsachen der Häftlinge aufbewahrt wurden und sie vor ihrer Gefangenschaft desinfiziert und rasiert wurden. In der Ausstellung gab es verschiedene Geschichten von ehemaligen Häftlingen und übergebliebene Kleidung und Schüsseln. Zitate wie „Lieber heute Tod als Morgen, egal, was sie uns versprechen“ von einem Buchenwald-Häftling, gaben einen Einblick in die hoffnungslose Vergangenheit der Opfer. Nach dem Mittagessen fuhren wir in die Stadt Weimar und uns wurde die Geschichte Weimars erklärt. Außerdem wurde uns deutlich gemacht, dass viele Bewohner Weimars an den Verbrechen damals beteiligt waren oder einfach zugeschaut hatten. Nach einem kleinen Rundgang hatten wir bis zum Abend Freizeit in Weimar.
Am Donnerstag, dem 26.02, waren wir an den Massengräbern, die kurz vor der Befreiung des Kz‘s am 11.April.1945 für eine große Anzahl an Leichen angelegt wurden, um die Zahl der Opfer zu verschleiern, weil die Krematorien durch Brennstoffmangel nicht mehr in Betrieb waren. Es war ein komisches Gefühl, zu wissen, wie viele Menschen hier so kurz vor der Befreiung an Krankheiten und Erschöpfung starben und in den Massengräbern beigesetzt wurden. Anschließend besichtigten wir den Glockenturm, ein Mahnmal aus der DDR-Zeit. Es war ein großes, imposantes Gebäude, dass daran erinnern soll, dass die Verbrechen des NS-Regimes nicht vergessen werden sollten. Heute zeigt es aber auch, dass man aktiv gegen Unmenschlichkeit und Gewalt vorgehen soll. Den restlichen Tag bekamen wir die Chance, uns mit einem ausgewählten Thema, dass uns interessiert, nocheinmal intensiver auseinanderzusetzen und es abends der restlichen Gruppe vorzustellen.
Am Freitag, den 27.02, fuhren wir kurz nach dem Frühstück los und kamen gegen 16:00 Uhr wieder in Wuppertal an. Alles in Allem war die Fahrt in die Gedenkstätte eine wichtige Erfahrung, die man nicht vergessen wird. Zudem konnte man durch die Nähe zum Lager eine Vorstellung von dem Grauen bekommen, das die Häftlinge jeden Tag erleiden mussten und wir haben gelernt, dass man die Geschichte nicht verdrängen oder vergessen soll, sondern sich aktiv gegen Rassismus, Faschismus und Ausgrenzung einsetzen soll.
Madita Hausberg, 10.1A